Pokalfinale 2009/2010
Buddenhagen entscheidet Finale mit Traumtor
Das erste Pokalfinale des Fußballverbandes Nordvorpommern/Rügen ist entschieden. Marko Buddenhagen versenkte in der 68. Spielminute den Ball in den linken Dreiangel des VfL-Gehäuses und machte damit den VfB Marlow zum ersten Pokalsieger des Verbandes.
Das Finale selbst hielt nicht die spielerischen Erwartungen, die sich viele angesichts der Paarung versprochen hatten. Beide Mannschaften geizten mit technischen Feinheiten und offensiv ausgerichtetem Fußballspiel. Dies erklärt auch, weshalb die knapp über 100 Zuschauer nicht ganz zufrieden mit der Leistung beider Finalisten waren. Das die Marlower Fangemeinde die Heimreise dennoch gutgelaunt antreten konnte, war wohl dem Pokalgewinn zu verdanken. Tristes dagegen beim Bergener Anhang. Keiner konnte begreifen oder erklären, weshalb ihr Team heute so verhalten, so kraft- und ideenlos agierte.
Dabei begann eigentlich alles so, wie es sich der Bergener Trainer Andreas Hantscher vorgestellt hatte. Sein Team übernahm mit dem Anpfiff die Initiative und stellte die Marlower Hintermannschaft mehrmals vor Probleme. In der 3. Spielminute verzieht Daniel Becker aus halb linker Position. Der Ball streicht knapp am langen Pfosten vorbei. Nur eine Minute später wird Matti Kraahs durch einen schönen Pass von Berti Feder frei durch die Mitte geschickt. Allein vor dem Torwart vergibt er die Chance indem er das Leder am rechten Pfosten um Zentimeter vorbeischiebt. In der 7. Spielminute ist es Bert Feder selbst, der aus etwa 14 Metern aufs Tor schießt. Doch sein Schuss aus der Rückenlage heraus wird eine leichte Beute des sicheren VfB-Torhüters. Danach beginnen die entscheidenden Minuten, in denen der VfL Bergen sein eigenes Konzept auf- und das Spiel aus der Hand gibt. Marlow kann sich jetzt nicht nur befreien, der VfB übernimmt aus dieser Befreiung heraus auch gleich das Kommando und marschiert von nun an unaufhaltsam in Richtung Bergener Gehäuse. Buddenhagen (9.), Ehlers (12.), Lübcke (14.), Druckrey (23. und 31.) oder Gittel (33.) haben für den VfB Marlow beste Chancen, den Führungstreffer zu erzielen. Die Bergener stehen tief in der eigenen Deckung und haben es ihrer Verteidigung und Torhüter Scholz zu verdanken, dass sie ein 0:0 in die Halbzeitpause retten können.
Die zweite Halbzeit beginnen beide Teams in verhaltener, kontrollierter Defensive. Erst in der 53. Spielminute ergibt sich eine Aktion, die man als Chance einordnen könnte. Wieder ist es Daniel Becker, der den Marlower Keeper prüft. Und wieder gewinnt der Torhüter das Duell. Ein Freistoß des Bergener Kapitäns bleibt in der 58. Spielminute in der vielbeinigen Abwehr der Marlower hängen. Nur zwei Minuten später erneut Freistoß für die Bergener. Felix Bergmann kann den Ball zwar gut platzieren, doch fehlt seinem Schuss die notwendige Schärfe, um Andre Becker im Marlower Tor vor ernste Probleme zu stellen. Dennoch scheint der VfL Bergen wieder die Kontrolle übers Spiel zu erhalten. Marlow zeigt zu dieser Zeit wenig bis gar nichts. Und just in diesem Moment zeigt Einer Alles. Aus dem Nichts, mit dem linken Bein zieht Marko Buddenhagen in der 68. Spielminute aus rechter Position in etwa 25 Metern Torentfernung in allerbester Robbenmanier ab. Das Runde findet seinen Platz im Eckigen. Und nicht irgendwo, im äußersten Eckigen, genau im Dreiangel. Dort, wo es einem Torhüter nur selten gelingen kann, den Einschlag zu verhindern. Da konnte sich der Bergener Schlussmann Kai Scholz lang und länger machen – dieser Ball war nicht zu halten.
Von nun an war dieses Spiel ein anderes. Marlow mit breiter Brust, Bergen mit dem Mut der Verzweiflung, aber ohne klare Linie. Die klugen Pässe von Bert Feder auf seine Außen fanden keine Abnehmer, die Bälle aus der Bergener Abwehr landeten zu oft in Gegners Beinen. In der 75. Minute dann ein Freistoss aus rechter Position. Der Ball ist gut getimt, der Marlower Torhüter verharrt auf der Linie. Matti Kraahs steht mit dem Rücken zum Tor und so verfehlt sein Kopfball das Tor um einige Meter. In der 78. Spielminute einer der wenig gut aufgelegten Konter des VfB Marlow. Christoph Ehlers läuft allein auf den Bergener Torhüter zu aber schiebt den Ball um wenige Zentimeter am rechten Torpfosten vorbei. Die Entscheidung bleibt vertagt. Die 82. Spielminute bringt die Gemüter des VfL Bergen für Momente in Wallung. Ein wunderbarer Pass von Bert Feder auf die linke Seite bringt Matti Kraahs in gute Position. Hier sah nicht nur die Marlower Hintermannschaft ziemlich „alt“ aus, wäre der Stürmer doch „durch gewesen“. Auch der Linienrichter schien gedanklich zu schlafen, ignorierte die passive Abseitsstellung eines Bergener Spielers auf der Gegenseite, hob die Fahne und suggerierte seinem Schiedsrichter ein „Abseits“, das keins war . Diese Fehlentscheidung blieb aber auch die einzig strittige Aktion des ansonsten souveränen Unparteiischen Manfred Vendt aus Barkow.
Die letzte wirklich große Chance im Spiel hat dann noch einmal der VfL Bergen. Bert Feder spielt den Ball steil an der rechten Seitenlinie auf Gregor Klos. Dieser umspielt den Verteidiger und spielt den Ball von der Grundlinie zurück in den Strafraum. Paul Hinz ist es, der nun völlig freisteht und alle Zeit der Welt hätte, in dieser 85. Spielminute den Ausgleich zu erzielen. Paul verzichtet darauf und schiebt das Leder völlig unbedrängt um gut einen Meter am Tor vorbei. Vorbei auch das Spiel. Der VfL noch ein, zweimal im Angriff, aber ohne eigentliche Gefahr. Als Manfred Vendt das Spiel beendet, jubelt ganz Marlow über den Pokalsieg. Die Bergener sind faire Verlierer, gratulieren und wissen schon in diesem Moment, das der VfB Marlow sich den Pokalsieg an diesem Tag verdient hat. Die Spieler aus der „grünen Stadt“ waren an diesem Tag bereit, alles für den Sieg zu geben, zu kämpfen bis zum Umfallen. Eine Einstellung, die man der zweiten Mannschaft des VfL Bergen an diesem Tag leider nicht bestätigen kann. In der Summe der Spielanteile machte sich Marlow den Sieg verdient. Die erste Halbzeit ging klar an Marlow, die zweite Spielhälfte mit kleinen Vorteilen für Bergen. Das Trumpfas allerdings zog Marko Buddenhagen mit seinem Sonntagsschuss ins Angel. Sein neunter Treffer im diesjährigen Pokalwettbewerb wird nicht nur Marko selbst unvergessen bleiben. Ein solches Tor schießt du nicht jeden Tag und noch seltener in einem Finale als Siegtor. Übrigens hatte Marko im Vorfeld der Begegnung in der lokalen Ausgabe der Ostsee-Zeitung Ribnitz sein Ziel ganz klar umrissen. „ Für uns zählt nur noch der Pokalsieg. Ich selbst stehe zum ersten und wahrscheinlich letzten Mal in einem Finale “. Eine nüchterne Aussage, sachlich und wahrscheinlich. Aber bei gerade mal 34 Lenzen muß das nicht zwangsläufig richtig sein.
VfB Marlow mit: Andre Becker; Marko Buddenhagen; Sven Köpke; Marcel Gittel; Andreas Lewerenz; Frank Druckrtey (ab 90. Norman Brodhagen); Martin Sengbusch (ab 46. Jens Klingenberg); Stefan Lübcke (ab 80. Martin Walocha); Benjamin Zierk; Christopher Martin; Christoph Ehlers
Trainer: Danilo Brand und Eduard Neumann
VfL Bergen II mit: Kai Scholz; Kai Ribitzki; Andreas Hantscher; Paul Hinz; Bert Feder; Felix Bergmann; Gregor Klos; Christian Koch (ab 83. Sven Peter); Matti Kraahs; Daniel Becker; Frank Zellmer (ab 38. Philipp Heusner); nicht eingesetzt: Björn Päplow und David Galler
Trainer: Andreas Hantscher und Thomas Menke
Schiedsrichter: Manfred Vendt (Barkow)
Assistenten: Roland Görs (Kausdorf) und Harald Buschmann (Trinwillershagen)
Torfolge
1 : 0 Marko Buddenhagen (68. Spielminute)
Verwarnungen
Bert Feder (VfL Bergen 42. Minute - Foulspiel)
Christopher Martin (VfB Marlow 86. Minute - Foulspiel)
Kai Scholz (VfL Bergen 92. Minute - Foulspiel)
Feldverweis
Norman Brodhagen (VfB Marlow 92. Minute - Unsportlichkeit)
Aktualisiert (Dienstag, den 01. Juni 2010 um 12:19 Uhr)


